Zitat der Woche

"Deshalb sage ich, dass es hier spukt - mein Laden ist voll von den Geistern der Bücher, die ich nicht gelesen habe. Armen ruhelosen Geistern, die immer um mich herum sind. Es gibt nur eine Möglichkeit, den Geist eines Buches zu bannen - man muss es lesen."

(Christopher Morley)

Mittwoch, 26. September 2012

Skinhead, Gewalttäter, Pastor - die drei Leben des Johannes Kneifel


Vom Saulus zum Paulus – Johannes Kneifel

Ein ehemaliger Rechtsextremist, der nun bald Pastor sein wird? Ein verurteilter Gewalttäter, der Kinder und Jugendliche betreut?
Viele Menschen würden auf den ersten Blick vor so etwas zurückschrecken, doch das neue Buch von Johannes Kneifel belehrt uns eines besseren und gewährt uns einzigartige Einblicke in sein bisheriges Leben.

Als tatsächlich erste Biografie, die ich in meinem Leben gelesen habe, hat „Vom Saulus zum Paulus“ die Maßstäbe nun ziemlich hoch angesetzt.
Ich hatte nicht erwartet, dass sich das klassische Mitfiebern, was sich beim Lesen von Romanen einstellt, auch hier bemerkbar macht. Doch nicht nur das war erstaunlicherweise der Fall: Wer kennt nicht das Gefühl, ein Buch beim Lesen an die Wand werfen zu wollen, weil einen die Ungerechtigkeit darin so fertig macht? Dieses Gefühl, selbst irgendetwas tun zu müssen, erdrückt einen fast. Ich war oft genug beeindruckt von der Art, mit der Herr Kneifel diesen unerträglichen Situationen begegnet ist, die ihm in seinem wahren Leben passiert sind, während es mir als Leser doch schon so schwer fällt.  
Doch zunächst einmal zum Anfang.
Der Verlauf des Buches beginnt mit dem Tag, an dem Johannes Kneifel und sein Kumpel Marco in die Wohnung von Peter Deutschmann eingedrungen sind. Es wird nicht nur der Tathergang aufs Genauste geschildert, sondern auch die Gefühle von damals wieder aufgearbeitet. Es kann sich wohl niemand vorstellen, wie schwer das alles für den Autor gewesen sein muss und doch hat er sich dieser Aufgabe gestellt. Ich bewundere ihn dafür.
Auch die häufigen Rückblenden in seine schwierige Vergangenheit und seine stetige Ehrlichkeit faszinieren mich. Diese Vergangenheit wird niemals als Grund für sein Fehlverhalten genannt, sie gehört nur ebenfalls zu den schmerzlicheren Teilen seines bisherigen Lebens und Johannes Kneifel versucht sie zu verarbeiten wie alles andere auch.
Nächstes großes und für mich ebenfalls sehr erschütterndes Thema ist die Behandlung im Gefängnis, die Prognosen der Psychologen und das Verhalten der Mithäftlinge. Die bereits erwähnte ungerechte Behandlung treibt den Leser fast zur Weisglut, die detailliert geschilderten Emotionen von Johannes Kneifel dagegen annähernd in die Verzweiflung. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man dieses Buch lesen kann, ohne sich zumindest in einem einzigen Moment selbst darin zu finden.
Es beschreibt einen Aufstieg, es beschreibt ein halbes Leben und doch hat man am Ende das Gefühl, es kommt noch Größeres auf den Autoren zu. Sein Leben ist noch nicht vorbei, es werden noch einige Probleme auf ihn zukommen und die Vergangenheit wird ihn immer wieder einholen. Und die erschreckende Erkenntnis, die Johannes Kneifel Anfang dieses Jahres wie ein Schlag getroffen hat, lässt seine gesamte Vergangenheit nun in einem anderen Licht stehen. Aber lest das Buch selbst, hört euch im Oktober selbst an, was dieser Mann zu sagen hat. Ich selbst habe noch einige offene Fragen, würde mich am liebsten stundenlang mit ihm unterhalten, weil mich der Teil seines Lebens, den er in diesem Buch niedergeschrieben hat, so sehr beeindruckt. Seine erste Begegnung mit Gott, sein gesamter Lebenswandel und sein stetiges Arbeiten an sich selbst und seinem Verhalten haben mir Herrn Kneifel gedanklich so nah gebracht, dass ich gespannt bin, wie ich bei meinem ersten persönlichen Aufeinandertreffen mit ihm reagieren werde.

Am 12.10.2012 um 20 Uhr im evangelischen Gemeindehaus Vögelsen wird er nicht nur aus seinem Leben erzählen, sondern auch offen alle Fragen beantworten.
Für Häppchen und Getränke ist gesorgt, auch sein Buch kann dort erstanden werden.
Ob Skeptiker oder bereits Überzeugter, dieser Abend wird eine Bereicherung im Leben vieler Menschen darstellen.

„Und ich wusste, dass ich etwas Gutes tue. Natürlich weiß ich nicht, bei wem und wie viel von meinen Worten nachwirkt. Aber ich weiß, dass mein Besuch sinnvoll war, und dieses Wissen stimmt mich positiv.“
Aus „Vom Saulus zum Paulus“ Seite 270/271


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