Zitat der Woche

"Deshalb sage ich, dass es hier spukt - mein Laden ist voll von den Geistern der Bücher, die ich nicht gelesen habe. Armen ruhelosen Geistern, die immer um mich herum sind. Es gibt nur eine Möglichkeit, den Geist eines Buches zu bannen - man muss es lesen."

(Christopher Morley)

Mittwoch, 5. September 2012

The fault in our stars



"Das Schicksal ist ein mieser Verräter" von John Green.
Im Hanser Verlag erschienen, genau 275 1/2 Seiten reine Geschichte.
978-3-446-24009-4 die ISBN, 16,90 € der Preis.

Wie man bereits hier sehen kann, werde ich keine gewöhnliche, nach irgendwas gegliederte Rezension schreiben.
Ich schreibe einfach drauf los, ganz nach Gefühl, denn nur das wird meiner Meinung nach diesem Buch gerecht.
Ich hoffe mal, dass was annehmbares dabei rauskommt.






Ich muss gestehen, dass ich dieses Buch nicht lesen wollte.
Wenn im Moment alle Leute ein Buch lesen, dann will ich es einfach nicht.
Ich will nicht zu einem Massengesprächsthema beitragen, ich schnappe mir lieber kleine, unentdeckte Bücher.
Auf der Arbeit habe ich dann aber irgendwann, wie man das nun mal macht, am Pc die kurze Inhaltsangabe aufgerufen.
In dieser Inhaltsangabe stand ein Zitat und dieses Zitat hat innerhalb weniger Sekunden meine Vorsätze über den Haufen geworfen.
Es war nur die erste Hälfte von dem, was ich mir im Buch angestrichen habe (denn so werden all meine Bücher zu etwas ganz persönlichem), aber es hat gereicht.
Trotzdem bekommt ihr von mir das "gesamte" Zitat:

"Manchmal liest man ein Buch, und es erfüllt einen mit diesem seltsamen Missionstrieb, und du bist überzeugt, dass die kaputte Welt nur geheilt werden kann, wenn alle Menschen dieser Erde dieses eine Buch gelesen haben. Und dann gibt es Bücher wie Ein herrschaftliches Leiden, über die du mit niemandem reden willst, weil das Buch so besonders und kostbar und so persönlich für dich ist, dass darüber zu reden sich wie Verrat anfühlt."
Seite 36

Wie hier bereits erwähnt, geht es in einem Großteil des Buches um - tada - ein anderes Buch.
Die Protagonistin, Hazel, stützt sich regelrecht darauf, denn es ist ein Buch über eine Krebspatientin, wie sie eine ist, die ihre Gedanken tatsächlich zu verstehen scheint. Die Tatsache wie sehr man sich für ein bestimmtes Buch begeistern kann, ist für mich eine der wichtigsten Aussagen dieses Buches.

Ich finde es schrecklich, dass in vielen Rezensionen das Thema Krebs so in den Vordergrund gerückt wird. Denn meiner Meinung nach ist das hier fast schon nebensächlich. Hazel ist unheilbar krank, ihre Eltern drängen sie zur Therapie, sie zieht sich zurück.. aber was soll's? Sie hat sich damit abgefunden und es ist einfach ein Teil von ihr, wie ihre Haar- oder Augenfarbe.
Als sie dann den umwerfenden (es gibt sicherlich niemanden, der beim Lesen nicht für ihn schwärmt oder Hazels anfängliche Schwärmerei zumindest verstehen kann) Augustus kennen lernt, fängt ihr Leben endlich wieder richtig an. Denn nach und nach geschieht das, was eben fast jedem Mädchen im Laufe ihres Lebens irgendwann passiert: Sie entwickelt ihre erste große Liebe.
Dass Augustus auch  mal Krebs hatte und deshalb eine Beinprothese trägt, ist genauso nebensächlich. Außerdem konnte er den Krebs erfolgreich aus seinem Leben verbannen.
Die gesamte Lebenseinstellung dieses Jungen ist einfach faszinierend, nicht nur für Hazel.
Ein passendes Zitat von ihm, nachdem er in einem Spiel verloren hatte, da er sich freiwillig selbst in die Luft jagte:
"Hab die Kinder gerettet", sagte er. 
"Vorläufig", wandte ich ein. 
"Jede Rettung ist vorläufig", entgegnete Augustus. "Ich habe ihnen eine Minute gekauft. Vielleicht ist es die Minute, die ihnen eine Stunde kauft, was die Stunde ist, die ihnen ein Jahr kauft. Niemand kann ihnen die Ewigkeit kaufen, Hazel Grace, aber mit meinem Leben habe ich ihnen eine Minute gekauft. Und das ist besser als nichts." 
Seite 59
Die Tatsache, dass er sie immer, wirklich immer, bei ihrem vollen Namen nennt; sein kleiner Tick, sich immer eine unangezündete Zigarette in den Mund zu stecken um zu sagen "Hey, hier ist das tödliche Ding, aber ich lasse mich nicht töten"; und die kleinen, scheinbar unbedeutenden Dinge, die er immer einwirft.. genau das macht Augustus zu etwas so Besonderem.
"Das ist das Problem mit dem Schmerz", sagte Augustus und sah mich an. 
"Er verlangt, gespürt zu werden."
Seite 62
Und noch viel besser ist, dass er dafür sorgt, dass Hazel das Einzige bekommt, was sie sich immer wirklich gewünscht hat: Ein Ende für Ein herrschaftliches Leiden. 
Das Buch endet einfach irgendwann mitten im Satz, um zu verdeutlichen, dass das Mädchen gestorben ist oder zu krank war, um weiter zu schreiben. Doch Hazel interessiert sich auch für das Schicksal aller anderen Personen dieses Buches.
Sie hat dem Autoren, Peter Van Houten, etlliche Briefe in die Niederlande geschickt, nachdem sie rausfand, dass er sich dorthin zurückgezogen hatte und nie mehr schreiben wollte.
In "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" ist von sogenannten "Herzenswünschen" die Rede, jedes kranke Kind bekommt von einer Organisation einen. Hazel hat ihren längst aufgebraucht, um mit ihren Eltern nach Disneyland zu fahren. Doch Augustus hat seinen noch und setzt ihn dafür ein, dass er gemeinsam mit Hazel und ihrer Mutter nach Amsterdam fliegen kann.
Er hatte nämlich zu Hazels Überraschung über Email den Kontakt zu Van Houtens Assistentin herstellen können und sie waren eingeladen worden.

Da Van Houten jedoch ein Alkoholiker und (nicht nur) den beiden gegenüber ein ziemliches Arschloch ist, fällt der kleine Trip schneller ins Wasser als geplant. Trotzdem küssen sich die beiden anschließend zum ersten Mal, was den Leser so weit tröstet, dass er denkt, die Sache wäre nun abgehakt.
Doch Augustus tut heimlich alles, was in seiner Macht steht, und sorgt dafür, dass Hazel ihr Ende gewissermaßen noch bekommt und Van Houten beginnt, sich selbst ein wenig mehr zu hinterfragen (Ich darf jetzt nicht verraten wie, denn sonst nehme ich das gesamte Buch vorweg und so gerne ich das auch möchte, ich reiße mich zusammen!).

Dieses Buch beschreibt die Geschichte, der ersten Liebe. Gleichzeitig zeigt es aber auch die einzig wahre und große Liebe. Es ist äußerst selten, dass beides einer Person gilt, doch bei Hazel und Augustus ist dies der Fall.
Und obwohl es sich hier um Teenager handelt, wird denke ich jeder Erwachsene vor Staunen die Augen ganz weit aufreißen, weil er die Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Uneingeschränktheit dieser Liebe bewundert.

Den Originaltitel habe ich hier als Überschrift gewählt, weil ich immer dachte, wie viel passender er doch ist. Ich bin sowieso so ein Englisch-Fanatiker, besonders wenn es um Serien geht, doch in diesem Buch ist es irgendwie ganz anders: An der einzigen Stelle, an der der Titel genannt wird, kann man sich zwar denken wie passend der Englische Titel im Zusammenhang zum Rest dort steht, doch durch die Person, die es sagt wirkt hier sogar für mich die (eigentümliche) Übersetzung sehr passend.

Aus einem der Briefe von Peter Van Houten an Augustus Waters:
"Lieber Mr. Waters,
ich habe Ihre elektronische Post vom 24. April erhalten und bin gebührend beeindruckt von der shakespeareschen Komplexität Ihrer Tragödie. Jeder Beteiligte dieser Mär ist einer Verfehlung schuldig: die des Mädchens ist, dass es so krank ist, Ihre ist, dass es Ihnen so gut geht. Ginge es ihr besser oder Sie wären kränker, wären die Sterne Ihnen nicht so ungnädig, doch die Kälte liegt in der Natur der Sterne und Shakespeare lag nie falscher, als er Cassius sagen ließ: "Nicht durch die Schuld der Sterne, lieber Brutus, / Durch eigne Schuld nur sind wie Schwächlinge ..." Leicht gesagt, wenn man ein römischer Edelmann ist (oder Shakespeare), aber es lässt sich jede Menge Schuld in unseren Sternen finden. 
Das Schicksal ist ein mieser Verräter. [...]" 
Seite 105/106
Jetzt müsst ihr noch meine Zitateflut über euch ergehen lassen.
Da ich ja leider nicht mehr vom Inhalt erzählen will, ohne die Angabe von wem und aus welchem Zusammenhang sie stammen:
"Aber man muss sein Versprechen trotzdem halten. 
Genau das ist doch Liebe. 
Liebe ist, das Versprechen trotzdem zu halten."
Seite 60
"Es ist irgendwie. Das Buch zu lesen war irgendwie..."
"Irgendwie was?", fragte ich herausfordernd.
"Wie ein Geschenk?", sagte er fragend. "Als hättest du mir etwas Wichtiges gegeben."
Seite 65
"Während er las, verliebte ich mich ihn ihn, so wie man in den Schlaf gleitet:
langsam zuerst und dann rettungslos." 
Seite 117
"Das Unheimliche an Häusern ist, dass sie fast immer so wirken, als ob nichts in ihnen passiert, dabei findet der Großteil unseres Lebens darin statt."
Seite 129 
"Du argumentierst, dass das zerbrechliche Seltene nur schön ist, weil es zerbrechlich und selten ist.
Aber das ist eine Lüge, und das weißt du auch."
Seite 135 
"Die Definition des Menschseins ist die Fähigkeit, die Herrlichkeit der Schöpfung zu bewundern." 
Seite 160
"Aus Morgenröte wird grauer Tag, schrieb der Dichter.
Und kein Gold ist von Dauer."
Seite 254 
"Wir wollen vom Universum bemerkt werden, wir wollen nicht, dass das Universum sich eine Bohne darum schert, wie es uns ergeht, nicht um die kollektive Idee eines fühlenden Lebens, sondern um jeden Einzelnen von uns als Individuum."
Seite 257 
Eine weitere, richtige Rezension findet ihr bei meiner Freundin Sally: Sally's Bücherblog

So:  Passend zum ersten Zitat, habe ich das Buch nun meinem Freund in die Hand gedrückt, um ihn zum Lesen zu zwingen, denn so wahrhaftig und besonders auch der zweite Teil dieses Zitates ist, bei dieser Geschichte trifft definitiv der erste Teil zu. Außerdem hat auch Hazel Augustus ihr Buch lesen lassen, obwohl für sie Ein herrschaftliches Leiden so besonders war.

Und als kleine persönliche Aussage hier unten drunter, auch wenn man sie erst versteht, wenn man das Buch gelesen hat:
Für Felix: Okay.



Kommentare:

  1. Sehr gute und ausführliche Rezension. Von John Green habe ich noch Looking for Alaska bei mir rumzuliegen. Mal sehen, wann ich das mal lese. Habe noch so viele andere ungelesene Bücher:D
    Liebe Grüße!

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  2. Sehr schöne & kreative Rezension, auch wenn ich sagen muss das mich das Buch nicht ansprechen würde. Nach deiner Rezension habe ich das Gefühl, dass es sich bei dem buch um so eines handelt, dass einem moralische Ansprüche sehr auf die Nase bindet. Das mag ich irgendwie nicht. Moralischer Anspruch, okey, aber Belehrung? Nein Danke.
    kann aber natürlich sein das ich mcih irre (:

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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