Zitat der Woche

"Deshalb sage ich, dass es hier spukt - mein Laden ist voll von den Geistern der Bücher, die ich nicht gelesen habe. Armen ruhelosen Geistern, die immer um mich herum sind. Es gibt nur eine Möglichkeit, den Geist eines Buches zu bannen - man muss es lesen."

(Christopher Morley)

Freitag, 19. Oktober 2012

Vollendet


Vollendet von Neal Shusterman,
432 Seiten
Verlag: Sauerländer
ISBN: 9783411809929
Preis: 16,99 €
Erscheinungsjahr: 2012
Sprache: Deutsch

Nachdem mir eine Kollegin von diesem Buch vorschwärmte, was mich persönlich vom Äußeren her sowieso schon ansprach, musste ich es natürlich auch lesen.
Da ich gerade im Jugendbuchbereich in letzter Zeit häufiger mit "modernen" Themen konfrontiert war, überraschte es mich umso mehr, dass hier zwei scheinbar gar nicht zusammenhängende Themen kombiniert wurden: Abtreibung und Organspende.

Der Grundgedanke, den viele Menschen in der Gesellschaft wie sie hier beschrieben wird vertreten und welche auch durch Gesetze dingfest gemacht wurde, ist folgender:
Die Abtreibung wurde zunächst vollständig verboten. Eltern waren gezwungen, ihre Kinder zumindest bis zu ihrem 13. Lebensjahr großzuziehen. Zwischen dem 13. und 18. Lebensjahr haben sie dann die Möglichkeit, ihr Kind quasi nachträglich abzutreiben, indem sie es zur Umwandlung schicken.
Umwandlung bedeutet aber laut Gesetz nicht gleich den Tod, denn die Körper der Jugendlichen müssen zu fast 100% (Der Blinddarm und Ähnliches sind hier ausgeschlossen) "weiterverwertet" werden. Die moderne Medizin ermöglicht es nicht nur Organe, sondern auch ganze Körperteile zu transplantieren, wodurch vielen Menschen das Leben gerettet beziehungsweise lebenswerter gemacht werden kann. Diese Methode wurde aber noch nicht ganz perfektioniert. Im Laufe der Geschichte wird nämlich klar, dass diese Körperteile, seien es Hände oder sogar Teile des Gehirns, nie ganz "vergessen", wer sie einmal waren. So kann die neue Hand eines Mannes zum Beispiel Kartentricks, die er vorher nie konnte oder ein Junge wird von Teilen seines Gehirns immer wieder zum Stehlen gedrängt.
Außerdem drängt sich die Hauptfrage des Buches immer mehr in den Vordergrund: "Wenn jeder einzelne Teil von dir noch lebt, jedoch in jemand anderem, lebst du dann noch oder bist du tot?"

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen drei ganz unterschiedliche Jugendliche, welche umgewandelt werden sollen und durch ihr Entkommen nun einen harten Überlebenskampf meistern müssen.
Connor erfährt rein zufällig einige Zeit vor dem geplanten Umwandlungstermin von dem Plan seiner Eltern. Er ist geschockt, verhält sich ihnen gegenüber aber besser als je zuvor, um ihnen ein schlechtes Gewissen und die Tragweite ihrer Entscheidung bewusst zu machen.
Ria lebt in einem Waisenhaus, ist sehr begabt, was das Klavierspielen angeht, erfährt aber von einem Tag auf den nächsten, dass ihr Können einfach nicht ausreicht. Nur ganz besondere und intelligente Kinder dürfen weiter dort leben, der Rest wird umgewandelt, um Platz für neue Babys zu schaffen.
Der jüngere Lev hingegen wurde seit seiner Geburt auf seine Umwandlung vorbereitet. Er ist das zehnte Kind in seiner streng gläubigen Familie und muss somit, wie auch der zehnte Teil von allem anderen, geopfert werden. Er wurde sein ganzes Leben dazu erzogen, sich selbst als etwas ganz Besonderes  zu sehen und sich somit auf die Umwandlung zu freuen.

Die drei ungleichen Jugendlichen erleben einige schlimme, aber auch durchaus schöne Dinge, während sie teils zusammen und teils getrennt um ihr Überleben kämpfen. Dies ist ein Buch voller Action und Spannung, bringt den Leser aber auch ganz klar zum Nachdenken. Zum Nachdenken über die Gesetze, die Gesellschaft, Das Leben und auch ihre eigenen Familien, welche sie eigentlich lieben und nicht töten sollten. Andererseits sieht man auch die Nützlichkeit der Organ- und "Körperteilspenden", denn viele Leute würden ohne sie nicht überleben oder ein deutlich eingeschrenktes Leben führen.
Diskussionsansätze, die durchaus in gewissem Maße auf unsere Gesellschaft zutreffen, hier in einer Welt, wie unsere hoffentlich nie enden wird.

Mich persönlich hat das Ende leider ein wenig enttäuscht. Ich will hier natürlich nichts verraten, aber ich habe wirklich mit vielem gerechnet, nur nicht mit dem, was dort am Ende steht. Viele Leser werden das wahrscheinlich anders sehen und das ist auch gut so, doch nach einem so klasse Buch, war das Ende für mich eben nur mittelmäßig.

Ganz besonders zu betonen ist auch noch die Geschichte in der Geschichte. Die von Humphrey Dunfee. Zuerst als schauriges Gerücht unter den Jugendlichen verbreitet, lässt sie einen später vor Angst und Ekel erschaudern und endet dann doch ganz anders als gedacht. Dieser Verlauf führte zu dem meiner Meinung nach einzig perfekten Teil am Ende des Buches.

Zitate:
"In einer perfekten Welt wäre alles entweder weiß oder schwarz, richtig oder falsch, und jeder würde den Unterschied erkennen. Aber die Welt ist nicht perfekt. Das Problem sind die Menschen, die denken, sie wären es."

"Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wenn du mal so lange gelebt hast wie ich, wirst du eines gelernt haben: Menschen sind nicht einfach gut und sie sind nicht einfach böse. Wir wandern unser ganzes Leben zwischen der Dunkelheit und dem Licht hin und her. Derzeit freue ich mich, dass ich im Licht bin."

Kommentare:

  1. hört sich interessant an :)

    http://erdbeercola.blogspot.de/

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  2. klingt nach gutem Lesestoff für den Herbst :)

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  3. Gutes Buch für die Kalten Winter Tage =)

    Liebe Grüße Lu

    http://fashionrondell.blogspot.de/

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